Unsere gemeinsame Ausstellung in Oberwil vom 1.11. bis 24.11. 2024!

Unsere Werke sind auf drei Etagen zu sehen — Malerei, Kupferdruck, Fotografie und im Dachgeschoss die Installation „Zwischen-Grenzen“ (Thema „Haut“).
Herzlich willkommen ab dem 1. November 2024! Wir freuen uns auf euch!

____________________________________________________________________________________
Ausstellung von Rosmarie Gehriger und Oliver Elbs im Sprützehüsli Oberwil BL
Führung von Oliver Elbs am 10.11.2024:
Bei dieser Führung durch die Ausstellung im Sprützehüsli Oberwil am 10.11. steht das Produkt im Zentrum, nicht der Schaffensprozess (zu diesem siehe unser Künstlergespräch am 17.11.)
Beim Thema Zwischen-Grenzen innerhalb einer Gruppenausstellung im Jahre 2017 hat Rosmarie Gehriger sofort an die Haut gedacht, der Grenze zwischen Innen und Aussen eines Menschen. Und so ist diese Haut-Installation entstanden (Abb. 1).

Die Haut ist eine Grenze, die man heute nicht so ohne Weiteres mehr berühren darf („Bitte nicht berühren!“, Noli me tangere). Und schon ist eine Grenze gezogen zwischen denen, die diese Haut-Installation berühren dürfen (ich und Rosmarie), und denen, die sie nicht berühren dürfen (die Besucher der Ausstellung hier).
Wenn ich einen Menschen sehe, zeigt sich die Menschenhaut (inklusive Hornhaut im Auge). Aber sehr schnell ziehe ich weitere (geistige) Grenzen: Innert weniger Sekunden kategorisiere ich den Menschen vor mir in Mann/Frau, schwul/trans, schwarz/weiss, Amerikaner/Muslim, Ukrainer/Russe, Protestant/Katholik etc.
Solche Grenzziehungen hat der Humanist und Kosmopolit Michel de Montaigne hautnah miterlebt – und so sagte er um 1580 sinngemäss: Warum muss ich denn Mann, Franzose und sogar noch Protestant sein? Es reicht doch, dass ich Mensch bin, ich habe schon genug zu tragen mit und in meiner Haut! Ich muss nicht noch Mann, Franzose und Protestant sein.
Wer Grenzen zieht, wird Blutvergiessen und Flüchtlinge ernten: Zur Zeit von Montaigne gab es einen blutigen Krieg zwischen Katholiken und Protestanten, die sogenannte Bartholomäusnacht von 1572. Etwa 25 Jahre vorher hatte sich Michelangelo im Fresko des Jüngsten Gerichts der Sixtina in der abgezogenen Haut des gehäuteten Apostels Bartholomäus porträtiert…
Der Anschlag auf das World Trade Center von 2001 war wohl die heutige Bartholomäusnacht: Darum und wegen dem Thema Flucht (über Grenzen hinweg…) stellen wir gleich neben der Haut-Installation Fotos von New York und dem Ground Zero aus (s. z.B. Abb. 2).

Diese Haut-Installation und die Fotos von New York haben Rosmarie und ich (Oliver) gemeinsam gemacht – die Installation zusammen mit vielen weiteren Freunden, die sich als Modelle zur Verfügung gestellt haben.
Jetzt gehen wir einen Stock tiefer zur Druckgrafik von Rosmarie Gehriger:
Rosmarie lässt sich nicht in die Kunstgeschichte einordnen, da sie als „Flippige Frau“ (Abb. 3) alle Grenzen sprengt: Rosmarie hat keinen expliziten „signature style“.

Rosmarie ist spielerisch, tänzerisch und extrem experimentell und vielfältig unterwegs – siehe den Rondellen-Tanz (Abb. 4, Foto mit Kupferdruck).


Für Rosmarie sind „Ent-Wicklung“ (Abb. 6), Evolution, Biologie und Natur sehr wichtig:




„Natur – Vorbild des Lebens“ (Abb. 10-12, aufwändiger Kupferdruck mit fünf Platten).



Rosmarie hat auch Ehrfurcht vor den Menschen: So sind diese bemalten Würfel mit den vielen Gesichtern entstanden zum Thema „Ausdruck – Eindruck“, denn der Ausdruck meines Gesichts ist ja für den anderen Menschen ein Eindruck (Abb. 13).


„Der Erdenschwere enthoben“ (Abb. 15, Flugsamen des Löwenzahns, auch in Mezzotinto).

Letztlich geht es um den „Weg in die Freiheit“ (Collage, Abb. 16).

In dem grössten hier in der Ausstellung gezeigten Gemälde „Ab-Lösung“ (Abb. 17) geht es auch um die Freiheit: Wenn wir in Netze eingeengten Menschen uns weiterentwickeln und unsere Netze endlich wegschicken – dann werden wir freier.

Laut Sören Kierkegaard ist aber „Jemanden frei machen (auch von sich selbst)“ die bedingungslose Liebe schlechthin.
Damit kommen wir zu den Gemälden des Korridors: Im Gemälde „Liebe ins Chaos des Nahen Ostens“ von 2024 (Abb. 18) schickt Rosmarie als Schutzmantelmadonna (Maria) viel Liebe in den Nahen Osten.

In meinem Gemälde daneben mit dem Titel „Maryam“ (Abb. 19), dem Mädchennamen von Maria (der Mutter von Jesus), sieht man Kierkegaard links oben (mit Regine Olsen als Meerjungfrau) und viele weitere Menschen, die auf der Flucht waren – und die sogar die (weiss leuchtenden) Schuhe zurücklassen mussten.

Und so kommen wir zum „Friedens-Tor“ von 2024 (Abb. 20), wo wir nicht nur eine angeschossene Friedenstaube, sondern auch die Schalen (Geben und Nehmen) sehen, ein weiteres Thema von Rosmarie.

Jetzt geht es in das Erdgeschoss, wo weitere Malereien von Rosmarie zu sehen sind:
Im Gemälde „Verwandlung IV“ (Abb. 21) bleiben wir noch im Nahen Osten: Links auf der Fotografie ist eine Betonwand zu sehen, die an ein Satellitenbild des Jordanfluss-Tals erinnert; rechts daneben ist die Fotografie verwandelt in eine Malerei, die die Wasserkrüge von Kanaa zeigt, die Christus in Wein verwandelt hat. Der Bräutigam bei dieser Hochzeit von Kanaa war übrigens der Apostel Bartholomäus von weiter oben…

Metamorphose ist auch der Titel vieler weiterer Gemälde hier, z.B. von der „Metamorphose 5“ (Abb. 22), wo wir auch wieder das Schalensymbol sehen.

Die Natur ist (wie schon gesagt) die grosse Inspiration von Rosmarie: „Alle Formen und Farben sind in der Natur schon enthalten“. In der Provence entstand 2017 das Gemälde „Gespräch mit dem Olivenbaum“ (Abb. 23).

Hier in der Provence hat Rosmarie Oliver gelehrt, aus der Farbe heraus zu malen.
Mein dort entstandenes Gemälde „Der Provençale“ (Abb. 24) ist sehr bunt und leuchtend und zeigt die kulturellen Einflüsse auf die Provence: Ägypten, Griechenland, rustikales Römertum.

Meine Gemälde sind voller Gesichter und Geschichten, so auch im „Marc Aurel“ (Abb. 25): der römische Kaiser ein koptisches Buch lesend und die Seelenruhe suchend, die hellblaue Sophia aber den Weg nach oben zum Licht weisend. Die Stiere sind das Sternzeichen von Marc Aurel. Links oben ein römischer Genius aus der Zeit des Vorgängers von Marc Aurel, rechts unten der Evangelist Markus, Begründer der koptischen Kirche in Ägypten.

Im Bild „Wer mein Wort hört“ (Abb. 26) von 2020 geht es um Corona: Der Koloss (Anspielung auf Goya) reckt noch die Faust, wird aber von Christus (der zu den Jüngern predigt) letztlich vertrieben. Die Kranken und die zarten Seelen im Bild werden genesen.

Im Gemälde „African Night Mystic (Laila)“ von 2024 (Abb. 27), das von Schwarz zu Hell gemalt ist, sehen wir eine grosse Frau rechts (Laila) mit Affenpocken in der Kinnregion uns anschauend, die für die heutige zeitgemässe Mystik steht: Nicht bekifft und gefühlsduselnd wie der träumende Mann in der Mitte, sondern HELLWACH schaut uns die kosmische Laila (Prudentia!) an mit ihren grossen Augen, die keine unechten FaceTime-Augen sind…

Das letzte Gemälde befindet sich beim Ausgang des Sprützehüslis: „Lamarcks Traum“ (Abb. 28): Lamarck und Cuvier (ganz oben rechts) waren ja zwei bedeutende Evolutionsbiologen des 19. Jh. Die Evolution arbeitet beim Menschen jedoch höchstwahrscheinlich nicht auf Stufe der Gene oder Meme (maps, Karten), sondern auf Stufe der individuellen Seele (Sophia mit 9-blätteriger Lotosblume im Haar, dem Nabelchakra). Ziel der Menschheit ist darum vermutlich die Entwicklung der Seelen — bis ALL-es in LIEBE verwandelt ist (siehe den in der bunten Natur schon anwesenden Christuskopf im Gemälde links unten).
